Steingarten anlegen: Anleitung für die kreative Gestaltung eines Steingartens

Ein wenig Alpenidylle ist nicht nur Einheimischen und Urlaubern vergönnt: Mit einem Steingarten lässt sich dieses Stück Natur auch im eigenen Garten umsetzen. Dazu brauchen Sie vor allem das passende Gestein, spezielle Pflanzen und etwas Kreativität beim Gestalten der kleinen Gebirgslandschaft. Mit unserer Anleitung wird aus Ihrem Garten ein Gebirgsparadies! 

Inhaltsverzeichnis

Steingarten planen

Damit die Pflanzen sich auch bei Ihnen wohlfühlen, müssen erst die richtigen Bedingungen geschaffen werden. Das fängt schon beim Standort an. Am besten eignen sich sämtliche Südseiten, also Süden, Süd-Westen und Süd-Osten. Achten Sie darauf, dass südseitige Pflanzen vor der prallen Mittagssonne geschützt sind. Das Erreichen Sie vor allem durch günstig platzierte Steine oder Gehölz.

Weiterhin sind Höhenunterschiede erforderlich. Besitzt Ihr Garten bereits ein Gefälle, ist das von Vorteil. Ansonsten müssen Sie dieses mit Steinen nachbauen, was Ihnen andererseits auch gestalterische Freiheit bietet. Der Hang sollte bei etwa 10 % liegen, kann aber selbstverständlich auch steiler ausfallen. Um einen besonders natürlichen Eindruck zu vermitteln, sollten Sie auch kleine Hügel und Täler formen.

Steingärten werden auch gerne mit kleinen Teichen und Bachläufen kombiniert. Wie Sie so etwas anlegen, erfahren Sie in unserem Ratgeberbeitrag Naturteich anlegen. Übrigens: Auch in einem Feng Shui Garten sind Steingärten gerne gesehen.

Am wichtigsten sind jedoch die Pflanzen. Ohne Bepflanzung kann es schnell zu Problemen mit den örtlichen Bauordnungen kommen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeberbeitrag zum Thema Steingarten Verbot

Steingarten anlegen
Auch eine Steintreppe sollte im Steingarten vorhanden sein.

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Das passende Gestein wählen

Wichtig ist auch die Auswahl der Steine. Je nach Pflanzenarten sollten Sie entweder Kalkgesteine oder Silikatgesteine verwenden. Während Kalkgestein über einen hohen pH-Wert von 7,5 bis 8,5 verfügt und somit basisch bzw. alkalisch ist, verfügt Silikatgestein über einen niedrigen pH-Wert von 4,5 bis 5,5 und ist somit im sauren Bereich. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihre zukünftigen Pflanzen zum Gestein passen. Da Kalkgestein mehr Nährstoffe und Spurenelemente bindet, ist die Pflanzenauswahl für Kalkgestein größer. 

Gerade Anfänger sollten deshalb die beiden Gesteinsarten nicht miteinander kombinieren, sondern sich von vornherein für eine Art von Gestein entscheiden. Da Sie für einen Steingarten mehrere Tonnen Gestein benötigen, sollten Sie dabei möglichst auf heimische Gesteinsorten zurückgreifen, an die Sie günstig herankommen. In nahegelegenen Steinbrüchen können Sie diese sogar selbst aussuchen. Rechnen Sie pro Quadratmeter mit ca. einer halben Tonne Gesteinsmaterial zuzüglich Schotter- und Bruchmaterial. Bei einer Trockenmauer sind es sogar eine Tonne pro Quadratmeter.

Steingarten Steine
Auch Steingärten bieten eine passende Umgebung für Pflanzen und Tiere.

Diese Steinsorten eignen sich

Als Kalkgestein eignen sich vor allem Jurakalk, Muschelkalk und Kalkknollensteine, während bei Granitgestein insbesondere Schiefer und Gneis verwendet werden. Möchten Sie härteres Gestein, sollten sie auf das kalkhaltige Marmor oder Dolomit zugreifen und bei silikathaltigem Gestein auf Granit oder Serpentin setzen. Für den Unterbau und als Drainage können Sie einfachen Bauschutt und Geröll verwenden. Machen Sie sich vorab eine Skizze, wo die einzelnen größeren Steine platziert werden sollen und probieren Sie hierbei unterschiedliche Gestaltungen, wie z. B. senkrechte Spalten, aus.

Beachten Sie den Lichteinfall und vergessen Sie hierbei nicht Trittsteine und Wege einzuzeichnen, denn Sie möchten sich später auch sicher und schnell in Ihrem Steingarten fortbewegen. Wie das geht, erfahren Sie in unserer Anleitung Gartenweg anlegen.

Steingarten anlegen in 10 Schritten

  1. Entfernen Sie zunächst sämtliches Unkraut. Verzichten Sie dabei möglichst auf chemische Mittel oder setzen Sie auf umweltverträgliche Unkrautentferner. In unserem Ratgeberbeitrag Unkraut entfernen gehen wir näher auf die einzelnen Schritte ein. Wiederholen Sie diesen Schritt nach etwa zwei Wochen, um sicherzugehen, dass sämtliches Unkraut entfernt wurde.
  2. Schütten Sie dann an gewünschter Stelle den Bauschutt etwa 20 cm auf. Dieser dient als Drainage und Unterbau. Achten Sie darauf, dass bereits jetzt ein Gefälle von min. 10 Grad entsteht. Dies ist wichtig, um Staunässe zu vermeiden und die typische Steingartenoptik zu schaffen.
  3. Sie können zusätzlich auch ein Drainagerohr im Bauschutt verlegen. Besonders bei schweren, lehmigen Böden ist dies von Vorteil.
  4. Danach folgt das Unkrautvlies, damit die Erde später am Durchsickern gehindert wird und Unkraut es schwer hat, in Ihrem Steingarten Fuß zu fassen. Das Vlies sollte sich dabei einige Zentimeter überlappen. Alternativ können Sie auch Grassoden verwenden, welche Sie mir der Grasnarbe nach unten verlegen. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn Sie vorab Rasen entfernen mussten, um den Steingarten anzulegen. Darüber folgt eine erneute Schicht Bauschutt.
  5. Jetzt folgt die Erde. Diese besteht aus Mutterboden und Schotter bzw. Gesteinssplitt. Die Körnung sollte zwischen 4 und 64 mm liegen, wobei der Anteil an feinem Gestein überwiegen sollte. Der gesamte Gesteinsanteil sollte zwischen 30 und 50 % liegen, in manchen Fällen auch bis zu 80 %. Verwenden Sie für das Gestein dasselbe Material wie für die großen Steine. Je nach Pflanzenwahl sollten Sie der Erde ggf. Kompost oder Rindenhumus hinzufügen.
  6. Ist alles soweit vorbereitet, folgt das eigentliche Gestalten mit dem Gestein. Zuerst werden die großen Steine, die sogenannten Findlinge, platziert. Stecken Sie diese zu etwa einem Drittel in den Boden. Dabei sollte die Seite auf dem Boden aufliegen, die flächenmäßig am größten ist. Das kommt der Stabilität zugute. In den Zwischenräumen der Steine füllen Sie ein Kies- und Sandgemisch.
  7. Orientieren Sie sich bei der Gestaltung des Steingartens am goldenen Schnitt. Große Steine und Gehölze sollten nie mittig, sondern leicht versetzt positioniert werden. Zudem sollten sie auch ein „Gegengewicht“ in Form von gleich mehreren kleineren Steinen und Gehölzen erhalten, die eng beieinander stehen. Einige größere Steine sollten auch an den Rändern der einzelnen Ebenen verwendet werden, um dem ganzen Steingarten mehr Halt zu geben.
  8. Vergessen Sie nicht, Trittsteine anzulegen! Diese erleichtern Ihnen später die Fortbewegung im Steingarten, ohne dabei die Pflanzen zu schädigen. Verwenden Sie dazu möglichst flache Steine in ausreichender Größe, damit Sie sich bequem fortbewegen können. Auch Treppen sollten Sie anlegen. Achten Sie darauf, dass die einzelnen Treppenstufen fest im Boden verankert sind. Natürlich können Sie aber auch eine Betontreppe oder Holztreppe anlegen. Gerade bei häufiger Nutzung, wie etwa dem Weg zur Haustür, lohnt sich eine richtige Treppe.
  9. Werden Sie kreativ und denken Sie bereits jetzt an die Bepflanzung. So bieten nach vorne gerückte Steine eine Art Dach für Pflanzen, die vor Regen geschützt werden müssen. Verwenden Sie hierfür besonders flache Steine, können diese von oben auch von teppichbildenden Pflanzen wie etwa das Blaukissen, Alpenedelweiß oder Silberwurz genutzt werden.
  10. Die Bepflanzung sollte nicht erst ganz am Ende, sondern parallel zum Aufbau der Steine erfolgen. Gerade enge Spalten sollten Sie möglichst sofort mit Pflanzen besetzen, da es später beim Einfügen der Wurzelballen zu Problemen kommen kann. Sitzen die Steine nämlich einmal fest, lassen sie sich im Nachhinein kaum noch justieren. Achten Sie beim Einsetzen der Pflanzen darauf, dass die Pflanzen am richtigen Ort gepflanzt werden. Pflanzen, die in die Höhe schießen, sollten etwa kleineren Pflanzen nicht das Sonnenlicht wegnehmen. Polsternde Pflanzen werden oberhalb der Steine gepflanzt, damit sich sich gut ausbreiten können.
Blühende Steingartenpflanzen

Steingarten Pflanzen: Qual der Wahl

Die Wahl der Pflanzen fängt im besten Fall bereits vor dem Anlegen des Steingartens an. Der pH-Wert hängt von dem verwendetem Gestein ab, weshalb Sie sich vorher Gedanken machen sollten, welche Pflanzen Sie später in Ihrem Steingarten sehen möchten. Kalkliebende Pflanzen wie Alpen-Sonnenröschen, Hornkraut, Lavendel oder Schneeheide gehen in kalkarmen Böden ein. Umgekehrt tun Sie Pflanzen wie Rittersporn, Katzenpfötchen oder Adonisröschen keinen Gefallen, wenn Sie diese in Kalkgestein pflanzen. In unserem Ratgeber zu Steingartenpflanzen gehen wir näher auf die Unterschiede ein und stellen praktische Pflanzenlisten für Sie bereit, damit Ihnen die Auswahl leichter fällt.

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