Baum richtig fällen: Anleitung

Baumfällen ist Profisache – zumindest dann, wenn die Gefahr besteht, dass man es falsch macht. In unseren Anleitung zum Fällen eines Baumes erfahren Sie, wie Sie richtig vorgehen. Neben der Vorbereitung und der passenden Schutzkleidung ist vor allem die richtige Schnitttechnik entscheidend für den schnellen und sicheren Erfolg. 

Inhaltsverzeichnis

Baum richtig faellen
Ohne Fallkerbe kein Baumfällen. Wir erklären, wie Sie es richtig angehen.

Gefahren meiden!

Einige Gefahren können Sie bereits vorab meiden, indem Sie folgende Sicherheitsmaßnahmen beachten:

  • Fällen Sie einen Baum nie bei windigem Wetter! Zu groß ist die Gefahr, dass der Baum die Fallrichtung ändert oder noch während des Ansägens umfällt. Verschieben Sie die Unternehmung auf einen windstillen Tag. Auch schlechte Sichtbedingungen wie Nebel, Regen, Schnee oder gar Dunkelheit sind keine guten Voraussetzungen zum Baum fällen und sollten daher vermieden werden.
  • Stellen Sie Warnzeichen auf, wenn sich in der Nähe des Baumes Straßen befinden oder Menschen den Fallbereich betreten könnten. Die Schutzzone befindet sich im gesamten Radius des zu fällenden Baumes und entspricht der doppelten Baumhöhe.
  • Wir empfehlen den Besuch eines Motorsägelehrgangs. Darin erfahren Sie den korrekten Umgang mit einer Motorsäge und erhalten praktische Übung unter Beaufsichtigung eines erfahrenen Lehrers.

Schutzkleidung

Denken Sie an Schutzkleidung. Diese besteht aus einem Sicherheitshelm mit Visier, Gehörschutz, Schnittschutzhandschuhen, einer Schnittschutzhose und Sicherheitsschuhen. Letztere müssen den Kategorien S4 oder S5 angehören.

Baumansprache: Wichtige Überprüfung des Baumes

Bevor Sie mit dem Baum fällen beginnen können, müssen Sie erst eine Baumansprache durchführen. Was sich zunächst wie eine nette Plauderei mit Bäumen anhört, ist in Wirklichkeit eine Beurteilung des kompletten Baumes und seiner Umgebung. Diese Prüfung ist wichtig, um z. B. die richtige Pflege des Baumes zu bestimmen – aber auch, wenn Sie den Baum fällen möchten. Vor allem zur Beurteilung der Fallrichtung ist es entscheidend, dass Sie den Baum in Hinblick auf seine Größe, Gewichtsverteilung, Kronenwuchs, Baumstammdicke, Standfestigkeit und Dynamik prüfen.

Wichtige Fragen, die Sie dabei beantworten sollten sind u.a.:

  1. Wie sieht die Umgebung aus? Fast schon selbstverständlich ist der Blick auf die nähere Umgebung. Befinden sich bspw. Autos und Straßen in der Nähe? Wie nah ist der Baum an Gebäuden und Stromleitungen? All diese Dinge müssen Sie vorab abklären.
  2. Wie hoch ist der Baum? Die Antwort darauf ist wichtig für den Gefahrenbereich, der insgesamt doppelt so weit ist wie die Baumhöhe. Ein 10 Meter hoher Baum braucht demnach deutlich mehr Platz als ein halb so großer Baum. Eine Schätzung sollte möglichst genau erfolgen, da Sie sonst Gefahr laufen, die Umgebung zu gefährden. Wie Sie die Höhe rauskriegen, erfahren Sie unter Holzfällermethode.
  3. Wie sieht der Baumstamm aus? Neben dem Durchmesser, den Sie mit einer Messkluppe abmessen können, müssen Sie auch die Wuchsrichtung beachten. Bäume wachsen nicht immer kerzengerade nach oben, sondern haben hin und wieder einen gewissen Hang zu einer bestimmten Seite. Zudem können Schäden, wie etwa Fäulnis, die Stabilität des Stammes beeinflussen. Von der Dicke und Beschaffenheit des Baumstammes hängt auch die Auswahl des Fallwerkzeugs ab. Schauen Sie außerdem nach Anzeichen von Stammfäule oder Schädlingen, wie etwa Borkenkäfern.
  4. Wie sieht die Baumkrone aus? Hier bei kommt es auf neben der allgemeinen Größe auch auf die Äste an. Wo liegt der Schwerpunkt der Baumkrone? Gibt es gleich starke Äste, die sich gabeln (sogenannte Zwieseln) oder abgestorbene, morsche Äste? Bei mehreren Bäumen in der Nachbarschaft müssen Sie zudem schauen, ob es Berührungspunkte gibt.
  5. Hängerichtung bestimmen Die Kronenlast gibt wiederum Auskunft darüber, welche Fälltechnik später verwendet werden muss. Ein Vorhänger hängt zur Fallrichtung, ein Seitenhänger ist rechtwinklig versetzt zur Fällrichtung, während ein Rückhänger entgegen der Fällrichtung geartet ist.
  6. Benachbarte Bäume stellen beim Baumfällen immer eine Gefahr dar. Sie dürfen sich nicht im Fallkorridor des zu fällenden Baumes befinden oder durch diesen beschädigt werden. Zudem behindern Sie die Sicht.

Beachten Sie zudem, dass Sie für das Fällen von Bäumen oftmals eine Genehmigung benötigen. Näheres dazu erfahren Sie in unserem Ratgeberbeitrag Baum fällen Genehmigung. Außerdem sollten Sie vorher einen Blick in die für Sie geltende  Baumschutzsatzung werfen. Da Bäume als schützenswert gelten und gewisse Voraussetzungen erfüllt sein müssen, bevor Sie einen Baum fällen dürfen, ist ein vorheriger Check dringend angebracht. Im Forst dürfen Sie außerdem nur Bäume fällen, die auch zuvor vom Förster markiert wurden. Für das Fällen in Forstwäldern ist zudem ein Motorsägenlehrgang verpflichtend. Ist Ihnen bereits die Planung des Fällens zu umständlich, dann können Sie auch direkt auf den Fachmann zugreifen. In unserem Preisvergleich zu den Baum Fällen Kosten erfahren Sie, wie hoch die Kosten hierfür ausfallen.

Richtig Baeume faellen
Die Rückweiche stellt sicher, dass Sie sicher vor dem herabfallendem Baum bleiben.

Baum ab 20 cm Durchmeser fällen

  1. Als erstes müssen Sie etwaige Hindernisse wie Steine, Äste und Gegenstände entfernen. Gleichermaßen sollte auch der Bereich hinter Ihnen geräumt werden. Dies dient Ihrem Schutz, denn beim Baumfällen müssen Sie Ausweichmöglichkeiten haben und problemlos zurücktreten können, ohne erst einen Blick nach hinten werfen zu müssen. Hierbei sollte es sich um einen 45 ° Bereich zu beiden Seiten „hinter“ dem Baum handeln. Man nennt dies Rückweichen.
  2. Entfernen Sie anschließend alle störenden Äste am Baumstamm bis hin zur Schulterhöhe. Schneiden Sie dabei mit ziehender Kette von oben nach unten und nutzen Sie den Baumstamm als Schutzbarriere zwischen Ihrem Körper und der Motorsäge. Mit einer Axt entfernen Sie anschließend Moos und Erde von den Stellen an der Rinde, wo Sie gleich mit der Säge schneiden werde. So bleibt die Motorsäge länger scharf.
  3. Wenn Sie die beste Fallrichtung festgelegt haben, können Sie nun mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Schneiden Sie eine Fallkerbe in die Seite des Stammes, in welche der Baum nachher fallen soll. Machen Sie hierfür zuerst einen waagerechten Sohlenschnitt, den Fallkerb. Anschließend folgt der Schrägschnitt bzw. Dachschnitt, das sogenannte Fallkerbdach. Der Winkel zwischen Fallkerbdach und Fallkerbsohle liegt zwischen 45 und 60 ° (90 ° bei Bäumen von unter 20 cm Durchmesser) und die Schnitte sollten in der Länge ein 1/5 bis 1/4 bzw. max. 1/3 des Baumstammes betragen. Achten Sie darauf, dass die Schnitte sich genau treffen. Solange das gegeben ist, dürfen Sie die Reihenfolge des Sohlen- oder Dachschnitts auch ändern und mit dem Fallkerbdach beginnen. Überprüfen Sie am Ende dieses Schrittes die Fallrichtung, indem Sie einen Zollstock zu einem V formen und die beiden Enden jeweils am linken und am rechten Ende des Fallkerbs anlegen. Die Spitze des Zollstocks zeigt genau in die Richtung, in die der Baum nachher fallen wird.
  4. Schneiden Sie nun zu beiden Seiten des Stammes den Baum am Fallkerbende senkrecht an. Markieren Sie dort mit einem Filzstift die Bruchleiste. Diese befindet sich über der Fallkerbsohle und sollte sich in einer Höhe befinden, die etwa 1/10 des Stammdurchmessers beträgt. Bei einem Baum mit 30 cm Durchmesser also 3 cm über der Fallkerbsohle. Die Bruchleiste wirkt später wie eine Scharniere und lässt den Baum in die gewünschte Richtung fallen. Wenn Sie die Fallkerbe unterschneiden, sprich, die Fallkerbsohle und das Fallkerbdach sich nicht treffen, bricht die Bruchleiste vorzeitig ab. Die Folge: Sie können die Fallrichtung nicht mehr garantieren! Achten Sie also darauf, eine saubere Bruchleiste zu schaffen.
  5. Jetzt folgt der Fällschnitt. Dieser erfolgt mittels eines Stechschnittes. Mit auslaufender Kette schneiden Sie bis zur vorher markieren Bruchleiste. Der Fällschnitt darf dabei auf gar keinen Fall die Bruchleiste durchschneiden, da diese sonst ihre Aufgabe als „Schaniere“ nicht erfüllen kann!
  6. Bewegen Sie die Motorsäge nun mit einer einlaufenden Kette so weit zurück bis Platz genug für einen Keil vorhanden ist. Schneiden Sie den Baum dabei nicht komplett durch, sondern lassen Sie ein Sicherheitsband übrig. Danach wiederholen Sie den Schnitt auf der anderen Baumseite und setzen einen weiteren Keil.
  7. Zu guter Letzt können Sie das kurze Stück des Sicherheitbandes durchsägen. Vergessen Sie vorher den Warnruf nicht und ziehen Sie sich über die Rückweiche vom Baum zurück.
  8. Warten Sie, bis der Baum vollständig gelandet ist. Beachten Sie dabei vor allem die Baumkrone und auch die umstehenden Bäume, denn hin und wieder werden diese gestreift und Äste können sich nachträglich lösen.

Holzfällermethode: So messen Sie die Baumhöhe

Ein einfacher Trick, um die Baumhöhe zu messen, ist die Holzfällermethode. Gehen Sie dazu einige Schritte zurück bis sie den vollen Baum im Blick haben. Heben Sie dann mit dem ausgestreckten Arm den Daumen zum Baum hin und halten diesen so, dass die Daumenspitze mit der Kronenspitze des Baumes eine Linie bilden. Kippen Sie den Daumen dann zur Seite. Die Daumenspitze zeigt auf den Punkt, an dem der gefallene Baum mit der Kronenspitze aufkommen würde. Merken Sie sich die Stelle, gehen Sie zurück zum Baum und laufen Sie mit großen Schritten bis zu der von Ihnen ermittelten Stelle. Die Länge der Strecke entspricht der Höhe des Baumes. Mittlerweile gibt es aber auch Apps und Laser-Entfernungsmesser, welche die Baumhöhe exakt für Sie berechnen. Für welche Methode Sie sich auch entscheiden, das vorherige Messen der Baumhöhe ist ein wichtiger Schritt, bevor Sie sich an das Baumfällen wagen sollten.

Baumstumpf entfernen

Nach dem Fällen eines Baumes können Sie den Baumstumpf samt Wurzeln stehen lassen, wenn dieser Sie nicht weiter stört. Möchten Sie allerdings den Baumstamm entfernen, sollten Sie zu den richtigen Mittel greifen. Häufig wird dafür eine Stubbenfräse verwendet. Benutzen Sie auf keinen Fall Feuer, denn das kann schnell zu Umweltschäden führen. In unserem Preisvergleich Baumstumpf entfernen Kosten haben wir die Preise für eine professionelle Entfernung für Sie zusammengestellt.

Das könnte Sie auch interessieren